Warum ich kein Horsemanship mehr mach.



Natural Horsemanship.
Natürliche Pferd Mensch Beziehung.
Klingt erstmal gut. So eine natürliche Beziehung zu seinem Pferd ist erstrebenswert.
Dafür gibt es auch vielerlei Systeme, die einem dies versprechen.
„Wenn Du Dein Pferd da berührst, dann…“
„Wenn Du dort stehst, dann…“
„Wenn Dein Pferd das und das macht, dann…“

Knöpfe drücken, um bestimmte Reaktionen hervorzurufen.
Klingt einfach, Pferdetraining nach Schema F. Quasi für jeden umsetzbar, Training nach Anleitung in einem sicheren System.
Leider stehen diese Systeme und dieses Training, das sich „Horsemanship“ nennt oftmals unter dem Zeichen von Druck und Erwartungen. Um es universell kompatibel für jeden Pferdebesitzer zu machen bleibt kaum Raum für Individualität und selbstbestimmtes Denken, kein Raum für Fehler.
So soll man häufig z.B. vor seinem Pferd stehen und so lange und so vehement mit dem Strick wedeln, bis das Pferd rückwärts geht.

Pferde kommunizieren über Körpersprache. Die kleinste Drehung ihrer Ohren drückt etwas aus. Sie spüren eine Fliege auf ihrem Fell.
Und dann geht der Mensch daher und behauptet, er mache pferdefreundliches Training, und ist dabei so aktiv in seinem Tun.
Ich möchte hier ausdrücklich keine Pauschalisierung treffen.
Doch erlebe ich im Alltag sehr häufig Pferd Mensch Paare, die zuvor bei sogenannten Horsemanship Trainern waren und die eben genau über dieses durch Druck geleitete System ausgebildet wurden.
Hier geht es nicht um klare und ehrliche Kommunikation, kognitives Denken, positive Bestärkung und Raum für Fehler und Selbstreflexion, sondern um: „Mach das und das, sonst…“.
Häufig funktioniert das sogar. Das Pferd geht dann rückwärts, seitwärts, vorwärts, weicht usw.
Doch es tut das, weil es gelernt hat, dass ihm sonst physischer oder psychischer Druck widerfährt. Und nicht, weil es aktiv in seinem Denken gefördert wird und auf natürliche Weise auf unsere Körpersprache reagiert.
Diese Menschen sind dann meist sehr erstaunt, dass ihre Pferde eigentlich nur über Atmung zu bewegen sind. Dass sie Fehler machen dürfen und sollen, um ihr Verhalten reflektieren zu können und eigene Ideen zu entwickeln.
Es heißt dann: „Schau mal, ich drehe meine Schulter ein, was könnte ich meinen? Magst Du mir folgen?“ und nicht „Komm mit, sonst mach ich Druck!“.

Argumentiert wird dann so, dass die Pferde in der Herde untereinander ja auch über Druck kommunizieren.
Doch wann passiert das tatsächlich mal?
Meist kommen sie doch außer zum Spielen oder zur Fellpflege gar nicht in direkten Kontakt miteinander. Bevor das nämlich geschieht, wird zunächst über allerfeinste Signale und Gesten kommuniziert.
Selbst wenn Druck ins Spiel kommt - wo ist es natürlich, einem Pferd auf Kommando ein Rückwärtsrichten beizubringen, eine Hinterhandwendung oder ein Seitwärts?
Pferde REagieren in der Natur so, aber selbstbestimmt und nicht auf Knopfdruck.

Wer dieser Seite schon länger folgt, weiß, dass der Name von Pferdedenker Horsemanship zu Pferdedenker - Die feine Kommunikation geändert wurde.
Nach einem Gespräch mit meinem lieben Lukas über das Thema Horsemanship und was damit inzwischen häufig assoziiert wird, habe ich mich bewusst für diese Änderung entschieden.

So denke ich bei Horsemanship inzwischen meist an einen Pat Parelli, der gestresste Pferde noch mehr stresst (s. einige kürzlich veröffentlichte Videosequenzen), Menschen, die ihre Pferde in ein System drängen und Pferde, die ohne jeden Glanz die immer gleichen Lektionen abspielen.

Auch das Wort „Bodenarbeit“ widerstrebt mir inzwischen. Ich möchte nicht mit meinem Pferd „arbeiten“. Viel mehr ist es ein Spiel, ein Kommunizieren und ein Kennenlernen und Verbinden, einfach ein Zusammensein. So nutze ich inzwischen lieber den Begriff Kommunikationstraining.
Wobei auch Training und die Bezeichnung "Trainerin" inzwischen dem widersprechen, was ich vermitteln möchte. Ich suche noch nach einer Alternative.

Natural Horsemanship.
Natürliche Pferd Mensch Beziehung.
Befassen wir uns doch wieder mit der Natur der Pferde. Ihrem Wesen. Lernen wir, sie zu lesen und wir lernen, mit ihnen zu kommunizieren. Ganz ohne ein System oder eine bestimmte Methode.

Das Ziel sollte nie sein, eine bestimmte Lektion korrekt zu absolvieren. Sondern erfolgreich in einen Dialog mit dem Pferd zu treten. Dafür muss es keinen Namen geben und auch keine Regeln. Keine Übungen, die trainiert und Lektionen, die beherrscht werden müssen. Kein Equipment, das genutzt und keine Trainer, die gebucht werden müssen.
Schaut hin, hört zu und verbringt Zeit mit Euren Pferden, ganz ohne Erwartungen. Und dann werden sie Euch die wunderschönsten Dinge schenken, wenn Ihr am wenigsten damit rechnet.

Hier seht Ihr ein Foto von Ramiro bei einem Spaziergang. Dieses Pferd riss sich früher bei jeder Gelegenheit los, hatte Angst vor Gerten, stieg mich an und das einzige, was ich ihm zu verstehen geben musste, damit er mein Partner wird, war dass er mir vertrauen kann.

Es ist ein großer Unterschied, das Pferd dazu zu bringen, etwas zu verstehen oder dem Pferd dabei zu helfen, etwas zu verstehen. - Mark Rashid

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