PFERDEKAUF
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Momentan scheint es eine regelrechte Welle im Pferdekauf zu geben.
Jeder hat plötzlich ein eigenes Pferd, egal ob es die 13-jährige Buschreiterin oder die 45-jährige Wiedereinsteigerin ist: ein eigenes Pferd muss her!
Da wird beim Kauf auch nicht besonders auf Exterieur oder Gesundheitszustand geachtet. Eine schöne Farbe muss es haben, brav sein und nicht so teuer. Am besten auf L-Niveau Dressur und Springen laufen (mit Potenzial für mehr), für Anfänger geeignet, 15km um den eigenen Wohnort herum, beherrscht sämtliche Zirkuslektionen und natürlich turniererfahren und auf Raten abzahlbar, Gesamtpreis bitte nicht über 1.500 Euro.
Da das gar nicht mal so einfach ist, wird es dann das ausgediente Schulpferd mit dem Senkrücken und dem Sattelzwang. Aber hey, da muss der halt durch, oder?
Auf geht’s ins Gelände, über den Springparcours und alles schön bildlich festgehalten für die sozialen Kanäle.
Oder aber man hat den ehemaligen Renntraber gekauft, der weiß, dass er ein Vollblut ist, aber nicht so richtig, was das Wort “langsam” bedeutet und so hat man Angst vor’m eigenen Pferd.
Dann gibt es noch den Prestige Reiter, der einen PRE Hengst aus Spanien importieren lässt und nach drei Tagen im Wallawalla Kleid auf einem steigenden, mit Glitzerspray eingesprühtem Pferd sitzt.
Die Fraktion “Pferd vorm Schlachter gerettet” gibt es natürlich auch noch. Da tut man ja sowieso nur Gutes! Und das Pferd, welches an Cushing, Arthrose und manischer Depression leidet wird auch richtig gerne noch geritten, das braucht schließlich eine Aufgabe! Dass man jede Rippe aus 100m Entfernung sehen kann macht auch nichts, lieber ein bisschen zu wenig, als zu viel!
Es gibt auch noch die, die sich wie die Geier auf ein ausgedientes Sportpferd stürzen, das wegen Befund “weit unter Wert” und als “bedingt reitbar” abgegeben wird. Aber der piaffiert ja noch und springt noch 1,20m, also kann man das ja auch noch machen!
Die Fraktion “Pferd mit guter Abstammung für unsere 10-jährige Tochter gesucht, mindestens Potenzial für M Springen, Preis bis 40.000€” ist natürlich auch nicht zu verachten.

Doch irgendwann merkt man vielleicht, dass es doch nicht so funktioniert, wie gewünscht. Das Pferd hat doch nicht so tolle GGA, es wird krank, es wird langweilig, es wird verkauft.

Ich habe das Gefühl, es wimmelt momentan von diesen Pferd-Mensch-Paaren.
Es geht schon mit diversen Posts in Facebook Gruppen los: “Hallo, ich kriege jetzt endlich ein eigenes Pferd. Ich bin aber Anfänger und lange nicht mehr geritten, welche Rasse sollte ich da kaufen? Ich hätte gerne einen Friesen oder Spanier! Und was kostet ein Pferd eigentlich im Monat?”

Früher war ein eigenes Pferd noch etwas ganz Besonderes. Man musste jahrelang Unterricht gehabt haben, ehe man überhaupt eine Reitbeteiligung bekam. Die, mit Privatpferden waren die Größten.
Heute ist es selbstverständlich, dass jeder “mal eben” ein eigenes Pferd bekommt. Überlegt ist diese Handlung meist nicht. Dabei geht es mir nicht einmal primär um die anfallenden Kosten, sondern um das Wissen, welches man mitbringen sollte, um ein Pferd gesundheitserhaltend zu trainieren und korrekt zu halten. Was mache ich, wenn mein Pferd lahmt? Wenn es eine Wunde hat? Wie baue ich Muskeln auf? Welche Haltung wäre für mein Pferd die Beste?
Wer diese Fragen beantworten kann, der sollte sich als nächstes fragen, ob er sich ein Pferd finanziell leisten kann. Und zwar nicht nur “irgendwie”, sondern vernünftig. Das heißt nicht nur Stallmiete, sondern auch das richtige Futter, ein Blutbild um zu entscheiden welches Futter und Mineralien das Pferd braucht, das regelmäßige Impfen, mindestens zweimal im Jahr der Osteopath und der professionelle Sattler, passendes hochwertiges Zubehör, ein Trainer für Beritt und Unterricht, der Hufschmied, der jährliche Zahnarztcheck, dazu noch ein Fliegenspray hier, ein Halfter dort, eine Tierarztrechnung und der ein oder andere Sack Möhren.

Wer es wirklich richtig machen will, muss seinem Pferd gegenüber ehrlich und fair sein und vor allem sich selbst reflektieren können.

Bitte überlegt dreimal, ob Ihr bereit für ein eigenes Pferd seid.

Wie sieht es bei Euch mit den monatlichen Kosten aus? Was zahlt Ihr so und wo kommt Ihr her? Und kennt Ihr Leute, die besser kein Pferd halten sollten?

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