Die Skala der Ausbildung



Balance ist die Voraussetzung für Losgelassenheit. Losgelassenheit ist die Voraussetzung für Formgebung. Formgebung ist die Voraussetzung für Balance.

Es ist also ein Kreislauf, kein Treppchen.

- Bent Branderup

Was ist die Skala der Ausbildung?
Die Skala der Ausbildung entwickelte sich aus der für die Kavallerie gültigen Heeresdienstverordnung im Jahre 1912 und zeigt den korrekten Ausbildungsweg für Pferde schematisch auf.
Festgelegt wird sie heute durch die FN in den „Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 1“.
Sie ist in drei Bereiche eingeteilt, die jeweils verschiedene Stufen beinhalten, die Gewöhnungsphase durch Takt und Losgelassenheit, die Entwicklung der Schubkraft durch Anlehnung und Schwung und die Entwicklung der Tragkraft durch Geraderichtung und Versammlung. Wie Ihr seht, und dem oben genannten Zitat von Bent Branderup entnehmen könnt, gehen die verschiedenen Stufen ineinander über. Bei den meisten visuellen Abbildungen der Skala ist sie in einem Dreieck dargestellt, sodass eine Phase nach der anderen kommt. Grundsätzlich ist es richtig, dass z.B. der Takt die Grundlage für alles Weitere ist, doch muss hervorgehen, dass die verschiedene Stufen ineinander übergehen. Und ohne eine psychische Losgelassenheit wird auch der Takt kaum reell korrekt zu erreichen sein.
Außerdem finde ich das Grundschema der Skala zu oberflächlich und habe daher der Darstellung einige für mich relevante Begriffe hinzugefügt.

Warum eine Skala?
Ich finde, die Skala der Ausbildung ist eine gute Orientierung, die einem bewusst machen soll, dass nicht alles auf einmal funktionieren wird und ich finde es sehr gut, dass Takt und Losgelassenheit direkt zu Beginn stehen. Es geht mir nicht darum, dass jeder von uns eine S-Dressur reiten kann, sondern darum dass auch Freizeitreiter sich der Wichtigkeit der Dressur bewusst werden und gesunderhaltend reiten.
Die Pferde müssen dabei quasi verschiedene Kurse besuchen, so wie wir in der Schule auch. Jeder hat seine Lieblingsfächer (Lektionen) und Lieblingslehrer (Reiter), teils beeinflusst durch genetische Gegebenheiten und Talente (Exterieur), teils aus persönlichem Empfinden heraus. Für mich gilt: jeder kann alles lernen - wenn er will. Und wann will man etwas lernen? Wenn man einen Sinn darin sieht, wenn es einem Spaß macht und wenn es gut erklärt wird. Manche müssen einen Kurs wiederholen, anderen fliegt das Lernen zu. Manche schließen alle Kurse ab, andere geben sich mit weniger zufrieden und sind trotzdem glücklich, es muss nicht für jeden die Versammlung das Ziel der Pferdeausbildung sein, ich muss nicht zwingend Integralrechnung beherrschen und mein Pferd muss nicht zwingend eine Piaffe beherrschen. Die primären Ziele des Pferdetrainings sollten aber für jeden stets Freude und Gesundheit des Pferdes sein.
Dennoch kann ich mir individuelle Ziele setzen und bin dabei bereit, Kompromisse einzugehen.

Was ist das Ziel der Skala?
Man sagt, die Krone der Ausbildung ist der durchlässige Gehorsam in der Versammlung.
Dabei finde ich das Wort “Gehorsam” unpassend, da dieser oft mit Unterwerfung gleichgesetzt wird und spreche lieber von der Durchlässigkeit.
Doch was bedeutet Durchlässigkeit?
Rittmeister Waldemar Seunig definierte die Durchlässigkeit als “die Fähigkeit und Bereitschaft des Pferdes, auf vortreibende, verhaltende und seitwärtstreibende Hilfen einzugehen, sie von rückwärts nach vorn und umgekehrt sowie in seitlicher Richtung durchzulassen.”.
Nun in meinen Worten: Du verbindest Dich mit Deinem Pferd. Wenn Ihr eins seid, liest es Deine Gedanken und Du seine. Deine Hilfen sind so fein, dass sie für jeden anderen unsichtbar sind und Dein Pferd ist gerne bereit, die von Dir gestellten Fragen zum gewünschten Zeitpunkt korrekt zu beantworten. Du musst nicht “Ziehen”, damit Dein Pferd durchpariert. Du musst nicht “Treiben”, damit Dein Pferd angaloppiert. Du musst “Schieben”, damit Dein Pferd seitwärts geht. Ich sage immer “Wenn es sich anfühlt, als wenn Dein Pferd unter Dir wie von Geisterhand läuft, wenn Du ihm nur noch leise zuflüstern musst, dann macht Reiten Spaß.”.
Dies ist stets mein persönliches Ziel: Eine reelle (!) Versammlung und eine ehrliche Verbindung.

 

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