Pferdesprache Teil 2 - Das Schnauben


 

Am Anfang müssen wir lernen, das Detail zu sehen. Dann müssen wir lernen, die Gesamtheit zu sehen. Dann müssen wir lernen, im Detail die Gesamtheit zu sehen.
- Bent Branderup

Im zweiten Teil dieser Reihe möchte ich Euch erklären, warum es wichtig ist, dass Eure Pferde entspannt abschnauben und wie Ihr das erreichen könnt.

 

 

Arten von Schnauben

1. Schnauben zur Befreiung der Atemwege
Es ist ähnlich, wie Niesen beim Menschen.
Sind die Atemwege nicht frei, aufgrund von Staub, Sand, Pollen, Allergie, Husten etc. schnaubt das Pferd kräftig aus, um die Atemwege freizupusten.

2. Aufbrausendes Schnauben / Röhren
“Seht mich an, ich bin ein Hengst!” - oft beobachtet z.B. nach dem Freispringen oder Laufenlassen.
Hals aufgerichtet, Ohren gespritzt, Schweif hoch. Das Pferd ist selbstbewusst und stolz.
Beim Toben mit anderen Pferden, kann es auch bedrohlich gemeint sein und eine aggressive Intention haben.
Das Pferd kann auch aufbrausend, aufgeregt schnauben, wenn es eigentlich ängstlich ist. Durch die Aufrichtung des Halses und das laute Prusten möchte es Eindruck schinden und Gegner einschüchtern.

3. Angestrengtes Schnauben
Oft im Galopp zu beobachten, wenn das Pferd zu eng gehalten wird, einen zu engen Sperrr- und oder Nasenriemen trägt und zu viel Druck ausgesetzt ist. Das Pferd schnaubt bei jedem Galoppsprung flach aus und ist physisch, wie psychisch angespannt.

4. Entspanntes Abschnauben
Das Pferd ist physisch und psychisch losgelassen, d.h. entspannt und fühlt sich wohl.
Im Training tritt dies meist nach der Aufwärmphase in der Lösungsphase ein. Im Arbeitstempo Trab großräumige Figuren geritten, Abkauübungen und bestenfalls Dehnungshaltung.
Bei der Bodenarbeit tritt es oft nach Bewältigung einer neuen oder besonders herausfordernden Aufgabe auf, das Pferd ist anschließend zufrieden.

5. Nüsternflattern / Schnorcheln
Schnorcheln tritt entweder bei Aufregung oder bei Entspannung auf. Mein Vollblut z.B. schnorchelt bei ihm unbekannten Dingen, aber auch, wenn ich ihn massiere oder er besonders leckeres Essen bekommt.
Das ist ein typisches Geräusch für Blüter, da ein Bereich ihrer Nasenscheidewand dünner ist. Hier kann auch im Galopp ein solches Geräusch auftreten, weil die Wand so dünn ist, beginnt sie im Galopp bei rhythmischem Atmen mitzuschwingen.
Der Galopp ist die einzige Gangart, wo der Bauchmuskel sich im Takt der Bewegung zusammenzieht, dies geschieht im Moment des Abschubs und dabei atmet das Pferd aus.
Dieses Schnauben darf nicht mit dem angestrengten Schnauben verwechselt werden, d.h. Mimik und weitere Körpersprache muss ebenso berücksichtigt werden.

Warum schnaubt mein Pferd nicht entspannt ab?
Die Rückenmuskulatur des Pferdes hängt mit den Rippenbögen zusammen, die Rippenbögen umschließen die Lunge. Ist die Rückenmuskulatur angespannt, beeinträchtigt dies also die Atmung und freies, losgelassenes Atem ist nicht möglich. Ist das Pferd nun größerer Anstrengung ausgesetzt, stößt es flach die Luft aus, die Nüstern sind stark geweitet und angestrengtes Schnauben ist die Folge.
Wichtig ist nun, dass sich die Muskulatur wieder entspannt, sinnvoll ist hier ein Übergang in die Dehnungshaltung, in der die Nase auf Buggelenkshöhe getragen und das Rücken- und Nackenband gedehnt wird.
Dieses Lösen der Verkrampfung führt wieder zu freiem Atmen.
Sollte eine psychische Losgelassenheit nicht möglich sein, muss natürlich ganzheitlich eruiert werden, wo das Problem liegt. Wie immer: erstmal einen Gang zurückschalten. Überforderung ist leider immer noch oft ein Thema.


Warum schnaubt mein Pferd oft hintereinander ab?
Wenn das Pferd angespannt war und die Muskulatur sich anschließend wieder lockert, folgt ggf. vermehrtes Abschnauben in kurzer Zeit, damit sich in der Lunge angesammeltes Sekret löst.

Ich lege im Training großen Wert auf ein entspanntes Abschnauben und sehe es als Warnhinweis, wenn ein Pferd auch nach einer Einheit in korrekter Dehnungshaltung nicht abschnaubt.
Erfahrungswerte zeigten mir, dass Pferde, die im Training nicht abschnauben, nicht losgelassen sind. Es liegt entweder eine physische oder eine psychische Anspannung vor, doch geht oft beides miteinander einher.
Wenn meine Pferde losgelassen abschnauben, lobe ich auch immer, um sie darin zu bestärken, dass Entspannung genau das ist, was ich mir von ihnen wünsche.

 

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