warum nicht reiten beim reiten hilft

und davon, dass reiten ein privileg ist


Mädchen und Pferd
Erinnere Dich daran, wie besonders es war, auf einem Pferd sitzen zu dürfen, als Du noch ein Kind warst.

 Aufs hohe Ross setzen sich meistens diejenigen,
die nicht reiten können. - Friedl Beutelrock


- "Ich reite mein Pferd nicht.”
- "Wie willst Du so weiterkommen?”

Oder:

- "Ich kann mein Pferd nicht mehr reiten, aber behalte es trotzdem.”
- "Wozu hast Du ein Pferd, wenn Du es nicht reiten kannst?"
Wer diese Fragen auf solche Aussagen stellt, der hat die Prinzipien der Freundschaft zwischen Mensch und Pferd nicht verstanden.

Ist man diejenige, die ihr Pferd nicht reitet, wird man schnell belächelt und ist am Stall auch meist unter dem Titel “die, die nicht reitet” bekannt. Dabei gibt es doch so viel mehr, als sein Pferd zu reiten. Für mich ist es ein Widerspruch in sich, von Freundschaft und Liebe zu sprechen und im gleichen Atemzug zu sagen, man reite sein Pferd nur und verbringe keine oder kaum Zeit am Boden miteinander.
Eine Beziehung besteht aus Geben und Nehmen, aus Lachen und Weinen, aus Liebe und Konsequenz.
All das ist aber nur möglich, wenn man miteinander kommuniziert und in einen Dialog tritt. Wenn man sein Gegenüber anört und vor allem erhört. Denn nur so kann man einander kennenlernen, den anderen verstehen lernen, um Vertrauen aufzubauen und eine Verbindung zu erschaffen.
Pferde kommunizieren über Körpersprache und sitzen wir auf ihrem Rücken, können sie uns nicht sehen, nicht so lesen, wie sie es können, wenn wir neben ihnen am Boden stehen. Umgekehrt genau so.

 

Kind Reiten Pferd Freundschaft ohne Sattel
Wie soll man also eine Beziehung erschaffen, wenn man nicht in einen Dialog miteinander tritt, um sich gegenseitig kennenzulernen. Um sich zu verstehen, sich zu vertrauen und eine Bindung zueinander aufzubauen?
Die Basis sollte immer die gemeinsame Zeit am Boden miteinander sein.
Reiten ist heutzutage keine Notwendigkeit mehr, sondern ein Privileg.
Denn was von unten nicht klappt, wird auch von oben nicht funktionieren. Verständnis, Vertrauen und eine Verbindung werden von unten geebnet. Im Sattel kann man dann davon profitieren.

Hinzu kommt, dass viele Pferde gar nicht die nötigen physischen und psychischen Voraussetzungen dafür haben, einen Menschen zu tragen, denn sie sind von Natur aus keine Reittiere.
Hier ist die klassische Skala der Ausbildung eine sehr gute Richtlinie. Das Pferd muss erstmal ein Gefühl für seinen Körper bekommen und im korrekten Takt laufen. Dann muss es losgelassen sein, d.h. entspannt, motiviert, fleißig und gesund. Beides lässt sich wunderbar vom Boden aus erarbeiten, ohne dass das Pferd zusätzlich mit Reitergewicht belastet wird.
Und bevor dies nicht gegeben ist und das Pferd zumindest eine Idee davon hat, in die Balance zu finden, das Genick zu öffnen und gesunderhaltend zu laufen, ist es nicht bereit, einen Reiter auf seinem Rücken zu tragen.
Denn wird dies missachtet, trägt das Pferd unweigerlich physische Schäden davon und durch den so entstehenden Druck und Stress, auch psychische.

Ich denke, es kann Sinn machen, sein Pferd eine Weile gar  nicht oder nur sehr selten zu reiten. Solche Phasen habe ich mit meinen Pferden immer wieder und wir profitieren sehr davon. So lässt sich vermuten, dass das Erreichen von reiterlichen Zielen länger dauert, da man ja weniger übt.

Doch:
Wer langsam geht, kommt schneller an.
- Mark Rashid
Grundsätzlich reite ich meine Pferde eher selten. Die meiste gemeinsame Zeit verbringen wir am Boden miteinander. Zum einen, da wir so unsere Beziehung stärken können, weil wir viel Freiarbeit miteinander machen und zum anderen, weil ich immer wieder feststelle, wie wunderbar man das Reiten vom Boden aus vorbereiten kann.

Doch nicht nur unsere Pferde setzen wir unter Druck, wenn wir sie reiten, obwohl sie dazu eigentlich noch nicht bereit sind. Häufig sind es auch wir selbst, die unter Druck gesetzt werden, zu reiten, obwohl das Bauchgefühl dazu eigentlich nicht stimmt. Sei es wegen klugen Kommentaren von der Bande oder vergangenen Ereignissen, die einen verunsichern.
Angstreiter z.B.  haben ständig im Kopf "Ich muss wieder reiten!" - nein, müsst Ihr überhaupt nicht.
Man sollte erst aufs Pferd steigen, wenn sich alles richtig anfühlt. Sonst vermittelt der Reiter dem Pferd das Signal, dass etwas nicht stimmt und verunsichert das Pferd, was schnell zu Spannungen und Missverständnissen führen kann.

Doch leider liegt für viele immer noch der Fokus auf dem Reiten. Wer das so sieht, der wird in seinem Pferd nie einen wahren Freund finden. Ich wll damit gar nicht sagen, dass man es nicht anders will, sondern dass es oft einfach Unwissenheit ist. Viele wissen gar nicht, was Bodenarbeit bedeutet. Ich wurde tatsächlich schon mehrfach gefragt, was man denn da macht und wofür das gut sein soll. Es wird auch häufig als unnötig angesehen und nicht ernst genommen.
Gerade Eltern denken oft, ihre Kinder müssten ans Reiten kommen. Und da fängt es ja eigentlich schon an.
Wenn ich immer ehrlich gearbeitet habe, wird mich mein Pferd bis ans Ende der Welt tragen.
- E. F. Seidler

Erst, wenn man reitet und wenig machen muss, damit das Pferd versteht, macht reiten Spaß.
Feine Hilfen, wenig Druck, kein Zwang.
Wer viel macht, macht viel falsch - immer.
Doch so geht es nur, wenn die Beziehung stimmt, wenn die Kommuikation fein ist und Weg des Reitens am Boden geebnet wurde.

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