Warum nicht reiten beim Reiten hilft


 

Aufs hohe Ross setzen sich meistens diejenigen,
die nicht reiten können. - Friedl Beutelrock


- "Ich reite mein Pferd nicht.”
- "Wie willst Du so weiterkommen?”

Oder:

- "Ich kann mein Pferd nicht mehr reiten, aber behalte es trotzdem.”
- "Wozu hast Du ein Pferd, wenn Du es nicht reiten kannst?"
Wer diese Fragen auf solche Aussagen stellt, der hat die Prinzipien des Natural Horsemanship nicht verstanden.
Man wird belächelt und ist am Stall schnell “die, die nicht reitet”.
Was von unten nicht klappt, wird auch von oben nicht funktionieren. Verständnis, Vertrauen und eine Verbindung werden von unten geebnet.

Pferde kommunizieren über Körpersprache und Energie. Sitzen wir nun auf ihrem Rücken, können sie unsere Körpersprache nur fühlen, nicht sehen. Dementsprechend oft entstehen Missverständnisse.
Hinzu kommt, dass viele Pferde gar nicht die nötigen physischen und psychischen Voraussetzungen dafür haben, einen Menschen zu tragen. Hier ist die klassische Skala der Ausbildung eine sehr gute Richtlinie. Das Pferd muss erstmal ein Gefühl für seinen Körper bekommen und im korrekten Takt laufen.
Dann muss es losgelassen sein, d.h. entspannt, motiviert, fleißig und gesund.
Beides lässt sich wunderbar vom Boden aus erarbeiten, ohne dass das Pferd zusätzlich mit Reitergewicht belastet wird.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Pferde handelt, die eingeritten oder Korrektur geritten werden.

Nicht selten rate ich meinen Kunden, erstmal entweder gar nicht zu reiten oder nicht ohne mein Beisein zu reiten. Sie kriegen ein breites Band an Übungen zum Muskelaufbau und für mehr Verständnis der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd, sowie einen individuellen Trainingsplan.
So dauert es lange, ja. Doch wie Rashid schon sagte: “Wer langsam geht, kommt schneller an.”
Sobald sie das erste Mal wieder auf ihrem Pferd sitzen, sind alle erstaunt darüber, wie toll und wie viel feiner und leichter alles funktioniert.
Ich habe teils Pferde, die recht weit weg stehen, sodass ich sie nur alle paar Wochen besuche. Und diese Pferde werden dann auch nur alle paar Wochen geritten, in der Zwischenzeit arbeiten die Besitzer an der Bodenarbeit. Jedes Mal sehe ich riesige Fortschritte wenn ich diese Pferde wieder reite.
Genau so haben einige Pferde witterungsbedingt eine Trainingspause im Winter bekommen. Im Frühjahr habe ich nicht wieder bei Null gestartet, ganz im Gegenteil, alles hat sich gefestigt und klappte gleich besser und leichter.

Angstreiter z.B. stehen unter enormem Druck und haben ständig im Kopf "Ich muss wieder reiten!" - nein, müsst Ihr überhaupt nicht. Bei mir kommt erst aufs Pferd, wer kein komisches Bauchgefühl mehr dabei hat. Und das erreichen wir vom Boden aus.

Doch leider liegt für viele immer noch der Fokus auf dem Reiten. Wer das so sieht, der wird in seinem Pferd nie einen wahren Freund finden.
Viele wissen gar nicht, was Bodenarbeit bedeutet. Ich wurde tatsächlich schon mehrfach gefragt, was man denn da macht und wofür das gut sein soll.
Gerade Eltern denken oft, ihre Kinder müssten ans Reiten kommen. Dass die Kinder nicht mal wissen, wie man sattelt spielt dabei keine Rolle. Oder, dass sie vielleicht noch unsicher sind, weil keine richtige Vertrauensbasis herrscht. Aber Hauptsache reiten und vom Halsring träumen.
Und wenn geritten wird, natürlich alle drei Gangarten, Galopp ist dabei ganz wichtig.
Bei mir bestehen die ersten Trainingseinheiten meist daraus, korrekt (also ohne Zügeleinwirkung) aus dem Schritt in den Stand durchzuparieren und zu lenken. Wem das zu langweilig ist, der hat nicht verstanden, worum es geht.

Erst, wenn man reitet und wenig machen muss, damit das Pferd versteht, macht reiten Spaß.
Feine Hilfen, wenig Druck, kein Zwang.
Wer viel macht, macht viel falsch - immer.

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